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25.
Offener Wettbewerb des Filmklub Dortmund mit 26 Filmen und erstmals 9
Multimedia-Produktionen!
In
fotochemischen Zeiten nannten wir es Dia-Überblendschau. Digitale
Bildverarbeitung, Beamer und Computer-Software eröffneten in den
letzten Jahren neue visuelle Darstellungsmöglichkeiten
:"Multimedia-Produktionen"!
Die
Diafreunde haben sich im "AV Dialog-Verein für audiovisuelle
Kommunikation" zusammengeschlossen. Die beiden Dachverbände
AV-Dialog und BDFA haben in Dortmund erste Kontakte geknüpft und
Produktionen beider Gruppen gemeinsam vorgestellt.
Zunächst
zum Wettbewerb:
Die
Mitglieder des "Filmklub Dortmund" hatten alles perfekt
organisiert und so konnten sich rund 60 bis 80 Zuschauer und Autoren
fast 12 Stunden vor dem eisigen Wind draußen, wohl geschützt im
molligen Kinosaal, an 35 Produktionen die Seele erwärmen.
Mit
ersten Preisen wurden Holger Hendricks aus Düsseldorf für seinen
Film "Abenteuer Ruhrgebiet", Michael Preis für "Über
Leben in Kolkata" und der erst 10 jährige Jan Büchel für "
Die Belohnung" ausgezeichnet. Jans Opa, Filmer Reinhard Merke
aus Köln, hat zwar assistiert, aber Jan setzte sich als souverän
nachfragender Interviewer auf einer Reise mit Opa erfrischend ins
Bild. Einverdienter erster Preis.
Ein
weiteres filmisches Highlight bildete"Hommage an Hanel" von
Bernd-Schulze-Willebrand aus Köln über den Zeitungskarikaturisten
Walter Hanel. Jeder erkannte spontan: Der Mann ist ein Künstler und
die Hommage an ihn ein Kunstwerk. Leider nur ein zweiter Preis.
Neben
vielen schönen Filmgeschichten waren die Zuschauer und Filmer
gespannt auf die Multimediashows der Mitglieder des "AV-Dialog".
Zunächst fiel es gar nicht auf, denn eine Multimediashow beamt aus
dem gleichen Projektor wie unsere Filme. Und wir Filmer dachten
vielleicht, dass sich da nichts bewegt in einer "Dia-Schau"!
Von wegen: Manchmal zoomten die Bilder heraus und herein und oft
bewegte sich wirklich etwas; entweder durch integrierte Videos oft
aber auch mit speziellen PC-Programmen erstellt.
Die
Erzählweisen von Film und AV rücken näher zusammen. "AV-Dialog"
hat sich das Motto vorgeschrieben: Erzähle in fünf oder zehn
Minuten eine Geschichte in Bildern. Natürlich kommen da auch
schnelle, im Takt geschnittene Wirbelshows raus. Aber, bedingt durch
die Faszination stehender Bilder, egal wie weit sie jetzt
elektronisch animiert oder verbunden sind, hat der Zuschauer mehr
Zeit und Muße, sich seine Meinung zu bilden oder einfach besser zu
verstehen, was der Autor sagen will. Durch die Höchstzeitvorgabe von
zehn Minuten wirkt AV konzentrierter. Und das Motto: Erzähl eine
Geschichte... würde auch uns Filmern als Pflicht-Vorgabe gut
anstehen!
Im
Profifilm als auch bei uns werden die Schitte immer hektischer.
"Äktschen" heißt das Motto. Da kommen die AV Leute ganz
anders daher und ich staunte und erkannte: Schön geht auch noch ganz
anders! In seiner 8 Minuten AV-Show " Der Ölbaum"
entführte uns Konrad Langer aus Köln mit seinen Bildern, die mich
und viele Zuschauer fast in einen Zustand meditativer Versenkung
versetzten. Zu klaren, aus wenigen Elementen bestehenden Aufnahmen
von jahrhundertealten Olivenbäumen, mal in mohnrot glühenden
Wiesen, mal im sonnenverbrannten Heu, begleitete uns eine klare vom
Bass getragene Klaviermusik. Diese Musik und archaische Baumstämme
verbanden sich mit einem poetisch philosophischen Text von Erich
Kästner: Die Zeit furcht Olivenbaumstämme in Jahrhunderten,
Menschengesichter aber schon in Jahrzehnten. Die Jury vergab
einstimmig eine Teilnehmerurkunde.
Als
weiteres AV- Highlight glänzte "Die Jahreshauptversammlung"
von Birgit Mölle-Weber und dem MÖWE- Team ( zusammen mit Ehemann
Manfred Weber). Jahrzehnte hatte Karl Aßmann, ein weit über
70-jähriger Fahrradmechaniker in Haltern sein Geschäft geführt.
Jetzt sollte es abgerissen werden. Das Chaos einer uralten Werkstatt
mit seinen Fahrradteilen, seinen archaischen Werkzeugen und witzigen
Wandsprüchen faszinierte in einer prall verrückten Multivision. Mit
einem kontrapunktisch zum Chaos in der Werkstatt gezeichneten
Kommentar über die Voraussetzungen in heutiger
dynamisch-erfolgsorientierter Unternehmensführung, verzauberte die
Autorin die Show zu einem satirischen Glanzlicht. Bei keinem anderen
Wettbewerbsbeitrag schmunzelten und lachten die Zuschauer mehr. Ein
zweiter Preis!
In
"Arnsberg, meine Stadt" zeigte uns Heiner Lieberum in
heutigen und historischen Bildern die Stadt an der Ruhr. Kultur und
Kunst stellten sich vor durch eine mit Legosteinen ergänzte
historische Mauer und steinerne Köpfe, die den Kunstinteressierten
aus dem Wasser der Ruhr wellengekräuselt anblicken. Man konnte sich
zehn Minuten fallen lassen in die Liebe zu seiner Heimatstadt. Danke
an den Autor! Ein dritter Preis.
In
der AV-Dialog Show: "Meine Heimat" von Norbert Hildebrand
wird ein Journalist gebeten, mal eben bis morgen früh einen Bericht
über das Thema "Heimat" zusammenzustellen. Das Ergebnis
zeigt in einem weiten fotografischen Bogen viel Geschichte von
Ländern und Bauten kontrastiert mit nahen Menschenbildern, die
manchmal in ihrer Witzigkeit einen wunderbaren Gegensatz zu den
ehrwürdigen Bauten bildeten. Ein präzise ausgearbeiteter Kommentar
begleitete die Bilder humorvoll. Zweiter Preis!
Wir
haben in Dortmund viele schöne Filme und AV-Shows gesehen! Die
Zuschauer haben in den Pausen lebhaft über viele der Produktionen
diskutiert. Man spürte ihr Engagement und, dass ihnen unser Hobby
Spaß macht.
Die
Jury: Leiter Klaus Krafft aus Jülich, Martin Gubela aus
Bergisch-Gladbach, Jürgen Richarz aus Ennepetal, Wolfgang Roth aus
Odenthal (alle BDFA) wurden ergänzt durch Astrid Busch,
Filmemacherin aus Dortmund und Holga Rosen Filmemacher, Karikaturist
und designierter Programmkinobetreiber.
Es
ist nicht leicht, die Eigenheiten von AV-Produktionen in unsere
Film-Bewertungs-Normen einzureihen. Versuch einer Erklärung:
Bei
uns Filmern zählt erst ein kompletter Film als eine künstlerische
Aussage. In der Fotografie und der Malerei aber schon ein einziges
Bild. Den Anfang von Multimedia kann man vielleicht in den
Moritatensängern des Mittelalters sehen. Sie besangen schon
Bilderserien. Das Einzelbild hatte eine Beziehung zum vorherigen und
nachfolgenden Bild. Auch die Fotografie begann früh, Geschichten mit
Bildern zu erzählen. Bewegte Bilder brachte erst der Film. Im
Gegensatz dazu ist das AV-Ziel aber auch heute noch nicht Bewegung um
jeden Preis. Die Stärke, Ausdruckskraft und Emotion eines oder
weniger Bilder, unterstützt durch Musik und Text sollen hier unser
Staunen erwecken. Perfekt, wenn es dem Autor gelingt, dieses Ziel in
nur zehn Minuten zu erreichen. Manche unter den wenigen jungen
Filmern in unseren Reihen versuchen sich an den immer schneller
getakteten Bildfolgen der Werbung und des Fernsehens. Wenn in einer
Minute 40 Szenen unser Gehirn treffen, verlieren wir, besonders wenn
der Film nicht konsequent gestaltet ist, schnell die Übersicht.
Ich
hatte ein besonders Erlebnis: Die 9 AV-Präsentationen konnte ich
noch einen Tag später in der richtigen Reihenfolge aus der
Erinnerung nacherzählen. Bei Filmen kann ich das oft nicht, zu viele
Bilder strömen auf mich ein. So wird es gut sein, bei der nächsten
Veranstaltung mit AV-Beiträgen auch einen Juror aus dem AV-Lager zu
berufen: Er wird unsere Filme auch anders sehen und aus diesem ganz
neuen Zusammenhang können wir alle lernen.
Manfred
Riep
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